Wenn du abends nach Hause kommst und dein Hund dich begrüßt, als wärst du drei Jahre weg gewesen – dann weißt du, wie sich bedingungslose Freude anfühlt. Was du vielleicht nicht wusstest: Für viele Menschen ist diese Verbindung tatsächlich stärker als die zu ihrem Partner.
Eine neue Studie der Eötvös-Loránd-Universität Budapest hat 717 Hundehalter befragt – und das Ergebnis überrascht selbst Wissenschaftler.
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Was die Studie zeigt
Die Forschenden um Borbála Turcsán nutzten den „Network of Relationships Inventory“ – einen Fragebogen, der 13 verschiedene Beziehungsaspekte misst: Unterstützung, Vertrautheit, Zuneigung, aber auch Konflikte. Die Teilnehmer verglichen ihre Beziehung zum Hund mit der zu ihrem Partner, besten Freund, engen Verwandten und – falls vorhanden – ihrem Kind.
Das Ergebnis: Hundebesitzer berichten höhere Beziehungszufriedenheit und mehr emotionale Unterstützung vom Hund als von Verwandten, Partner oder Freunden. Die Beziehung zum Hund ähnelt dabei am meisten der zu einem Kind oder besten Freund – mit einem entscheidenden Unterschied: Sie ist nahezu konfliktfrei.
Warum Hunde anders sind
Der Schlüssel liegt in dem, was Psychologen „sichere Basis“ nennen. Ursprünglich beschreibt dieser Begriff die Funktion von Eltern für ihre Kinder: ein verlässlicher Rückzugsort, von dem aus man die Welt erkunden kann.
Hunde bieten genau das – aber ohne die Komplexität menschlicher Beziehungen. Sie urteilen nicht, sie nachtragen nicht, sie stellen keine Bedingungen. Ihr Oxytocin-Spiegel steigt, wenn sie uns sehen. Unserer auch. Diese hormonelle Rückkopplung ist biologisch real und messbar.
Frühere Studien der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigten bereits, dass die Mensch-Hund-Beziehung der menschlichen Mutter-Kind-Bindung sehr ähnlich ist. Die neue Forschung geht weiter: Sie zeigt, dass Hunde für viele Menschen nicht nur Haustiere sind, sondern hochkomplexe soziale Rollen einnehmen – vergleichbar mit den wichtigsten menschlichen Bindungen.
Ist das Vermenschlichung?
Nein. Und das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis der Studie.
Wenn wir unseren Hund als „Kind“ oder „besten Freund“ betrachten, ist das kein Zeichen von Vermenschlichung – es ist eine biologische Realität unserer Bindung. Die emotionale Verbindung ist nicht eingebildet, sondern neurologisch und hormonell verankert.
Die Studie zeigt auch: Diese besondere Beziehung bleibt über die Zeit stabil. Faktoren wie das Alter von Hund oder Halter, der Familienstand oder ob Kinder im Haushalt leben – all das verändert die Bindung kaum.
Was das für deinen Alltag bedeutet
Die Forschung bestätigt, was Hundebesitzer längst fühlen: Die Zeit mit dem Hund ist nicht „nur“ Gassi gehen. Sie ist Beziehungspflege.
Bewusste Momente der Nähe – das Streicheln auf dem Sofa, der Blickkontakt beim Spaziergang, das gemeinsame Nichtstun – sind keine verlorene Zeit. Sie stärken eine Bindung, die wissenschaftlich messbar guttut. Dir und deinem Hund.
Die Kehrseite
Wer so tief gebunden ist, fühlt den Verlust umso stärker. Die gleiche Forschung erklärt, warum der Tod eines Hundes für viele Menschen einer der schmerzhaftesten Verluste ist – oft stärker empfunden als der Verlust entfernter Verwandter.
Das ist keine Übertreibung. Es ist die logische Konsequenz einer echten Bindung.
Was die Studie nicht sagt
Die Forschenden weisen selbst auf Einschränkungen hin: Die Stichprobe bestand zu über 90 Prozent aus Frauen und wurde über soziale Medien rekrutiert. Menschen, die sich für solche Umfragen melden, sind vermutlich überdurchschnittlich engagierte Hundehalter.
Die Ergebnisse spiegeln also subjektive Einschätzungen einer bestimmten Gruppe wider. Aber vielleicht ist das auch der Punkt: Für die Menschen, die ihre Hunde lieben, sind diese Zahlen keine Überraschung – nur endlich eine wissenschaftliche Bestätigung.
Quelle: Turcsán, B., Ujfalussy, D.J., Kerepesi, A. et al. (2025). „Similarities and differences between dog–human and human–human relationships.“ Scientific Reports, 15, 11871.























